Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
hier nun wieder informative Europa-Neuigkeiten für Sie.
Aus aktuellem Anlass finden Sie Berichte zu den neusten Entwicklungen auf den Gebieten der europäischen Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit, Kultur (Europäischer Filmpreis LUX), der europäischen Außenpolitik und den Neuerungen in Brüssel.
Ihr EUROPE DIRECT Köln Team
Europäischer Filmpreis LUX
Das Europäische Parlament hat die drei Finalisten des LUX-Filmpreises 2011 bekanntgege-ben.
Es sind:
„Attenberg“ von Athina Rachel Tsangari - Griechenland
„Les neiges du Kilimandjaro“ von Robert Guédiguian - Frankreich
„Play“ von Ruben Östlund - Schweden, Frankreich, Griechenland
Die Filmbeiträge setzen sich auf innovative Weise mit zeitgemäßen europäischen Themen auseinander, spiegeln die Vielfalt europäischer Kultur und die Qualität des europäischen Ki-nos wider. In der Tradition des LUX-Filmpreises werfen sie ein neues Licht auf wichtige Themen wie Integration und Jugend, wirtschaftliche Krise und Solidarität, Familie und Kul-tur.
Ein kurzes Resumé der Filmbeiträge :
„Attenberg“
Marina (23 Jahre) wächst mit ihrem Vater in einer griechischen Industriestadt auf. Sie hält sich von ihren Mitmenschen fern, die sie als seltsam und abstoßend empfindet. Sie erfährt die Welt einzig durch die Nähe zu ihrer besten Freundin Bella, die Musik und die Tierdokumenta-tionen des Naturforschers Sir David Attenborough. Sie lernt einen fremden Mann kennen, der sie besonders beim Kickerspiel herausfordert. Währenddessen bereitet sich ihr Vater rituell auf seinen Tod vor. Hin- und hergerissen zwischen den Männern und ihrer Freundin Bella, erforscht Marina die Eigenarten des Menschseins.
„Les neiges du Kilimandjaro“
Michel hat gerade seinen Job verloren. Er lebt seit 30 Jahren glücklich mit Marie-Claire zu-sammen. Beide verbringen viel Zeit mit Kindern, Enkelkindern und Freunden. Sie sind stolz auf ihre politischen und moralischen Werte. Dieses Glück wird erschüttert, als sie von zwei bewaffneten Maskierten überfallen werden und ihr Geld, das für eine Reise zum Kiliman-dscharo gedacht war, gestohlen wird. Der Schock ist umso größer, als Michel feststellt, dass Christophe, einer seiner jungen Kollegen, die mit ihm entlassen wurden, hinter dem Überfall steckt. Das Paar findet nach und nach heraus, dass Christoph sich um seine zwei kleinen Brü-der kümmern muss, da sie von den Eltern verlassen wurden.
„Play“
Play ist eine scharfsinnige Studie realer Fälle von Jugendkriminalität in Schweden. Im Zent-rum von Göteborg verübte zwischen 2006 und 2008 eine Gruppe von 12- bis 14-jährigen Jun-gen circa 40 Überfälle. Sie nutzten dabei immer eine ausgeklügelte "Kleiner-Bruder-Strategie", die sich statt physischer Gewalt durch ausgefeilte Rollenspieltechniken und Gang-Rhetorik auszeichnete.
Die drei Finalisten des LUX-Preises 2011 wurden im Rahmen des Autorenfilmkinos während der Internationalen Filmfestspiele von Venedig im September in Anwesenheit der Regisseure gezeigt. Zwischen dem 11. Oktober und dem 10. November werden die Filme dann im Euro-päischen Parlament zu sehen sein und von den Europaabgeordneten bewertet.
Der Gewinner des LUX-Filmpreises 2011 wird am 16. November 2011 im Europäischen Par-lament in Straßburg ausgezeichnet.
Zu den Gewinnern des LUX-Preises über die Jahre zählen: „Auf der anderen Seite“ von Fatih Akin (2007), „Le silence de Lorna“ von Jean-Pierre und Luc Dardenne (2008), „Welcome“ von Philippe Lioret (2009) and „Die Fremde“ von Feo Aladag (2010).
Mehr Wettbewerbsfähigkeit für die EU
Der Schlussbericht des parlamentarischen Sonderausschusses zur Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise (CRIS) befindet eine Übertragung grenzüberschreitender Projekte im Energie- und Verkehrsbereich ausschlaggebend um eine substanzielle Einsparung und einen rentableren Einsatz finanzieller Mittel in der EU zu ermöglichen. So könnten dringend notwendige Impul-se für die Wettbewerbsfähigkeit der EU gesetzt werden, heißt es weiter.
Zu den wichtigsten Themen hierbei zählen die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit, die Sicherung des sozialen Zusammenhalts und die Stärkung einer umweltfreundlichen, wissens-basierten Wirtschaft.
Der Bericht beinhaltet zudem Empfehlungen zur Vermeidung künftiger Wirtschafskrisen und eine langfristige Vision für Europa. So soll ein europäischer "New Deal" Innovationen för-dern und die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung im Sinne nachhaltigen Wachstums ermöglichen.
Die EU, so der Bericht, stehe am Scheideweg.
Entweder muss die europäische Integration vertieft werden, oder der Union droht ein langsa-mes Auseinanderdriften und der Rückfall in eine Ära des Populismus und Nationalismus. Vor allem in grenzüberschreitenden Bereichen wie der Energie-, Verkehrs- und Außenpolitik sei die Integration zu vertiefen, da in diesen Bereichen ein starker europäischer Mehrwert zu er-zielen ist. Durch die Verschiebung bestimmter Politikbereiche auf die europäische Ebene muss langfristig auch eine Aufstockung des EU-Haushalts "in ausreichender Höhe" erreicht werden.
Diese Änderung würde keine höhere Steuerbelastung für EU-Bürger bedeuten, da die neuen EU-Verpflichtungen dank mehr Eigenmittel der EU erfüllt werden sollen und damit Einspa-rungen auf nationaler Ebene ermöglichen. Der Sonderausschuss schlägt außerdem eine stärke-re Koordinierung der nationalen Steuerpolitik sowie eine gemeinsame Bemessungsgrundlage für die Unternehmensbesteuerung, ein europäisches "Schatzministerium" sowie eine Um-wandlung des Europäischen Stabilitätsmechanismus in eine EU-Anleihenagentur vor.
Im Bericht wird zudem darauf hingewiesen, dass Einkünfte aus einer Finanztransaktionssteuer verwendet werden könnten, um die Millenniums-Entwicklungsziele zu finanzieren und die Verpflichtungen und Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel anzuge-hen.
EU-Abgeordnete informieren sich über Flüchtlingssituation
Über eine halbe Million Menschen flohen nach Ausbruch des Krieges in Libyen in den letzten Monaten über die Grenze nach Tunesien. Sechs Europaabgeordnete reisten nun nach Tune-sien, um sich vor Ort ein Bild von der Lage der Flüchtlinge zu machen.
Die Abgeordneten trafen Vertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen
(UNHCR), der Behörde der EU-Kommission für humanitäre Hilfe (ECHO) und anderer Hilfswerke. Dabei besuchten die Abgeordneten das UNHCR-Flüchtlingscamp Choucha und das Lager der Vereinigten Arabischen Emirate. Am Tag darauf trafen die EU-Parlamentarier in der Hauptstadt Tunis tunesische Minister sowie die Botschafter der EU und der Vereinigten Staaten.
Mitglieder der Delegation waren der Maltese Simon Busuttil und der Spanier Agustín Díaz de Mera García Consuegra von der Europäischen Volkspartei, der Brite Claude Moraes und die Französin Sylvie Guillaume von den Sozialdemokraten, die Französin Nathalie Griesbeck von den Liberalen und die Niederländerin Judith Sargentini von den Grünen.
Internethandelsstatistik der EU
Beim Internet-Handel in Europa bilden die ost- und südeuropäischen Staaten die Schlusslich-ter, so die "Verbraucherverhalten in einem digitalen Umfeld" Studie, die jetzt im Verbrau-cherschutzausschuss des EU-Parlaments vorgestellt wurde.
Der Unterschied resultiert aus der geringeren Anzahl an Internetanschlüssen pro Kopf. Laut „Eurostat“ haben in Bulgarien nur ein Drittel aller Haushalte Zugriff auf das Internet. In Ös-terreich sind es dagegen 75%, in Deutschland über 80% und beim Spitzenreiter Niederlande mehr als 90%.
Im Durchschnitt sind rund 70% aller EU-Haushalte an das Internet angeschlossen, das sind 46% mehr als noch 2005.
Trotz der grenzenlosen Erreichbarkeit von Internetseiten bestellt die Mehrheit aller EU-Bürger noch immer zumeist bei heimischen Internet-Firmen. Weniger als 25% aller Online-Einkäufer orderte 2010 Waren in einem anderen EU-Land. Besonders beliebt bei Online-Shoppern sind Kleider und Reisen. Computer und andere Elektrogeräte werden überraschen-derweise immer noch selten online gekauft.
Der EU-Durchschnitt der Firmen die ihre Waren online anbieten liegt bei 14%, in acht EU-Ländern, darunter auch Deutschland, steigt dieser Wert jedoch auf über 20%, während er in 11 Ost- und Südeuropäischen EU-Staaten noch unter 10% liegt.
Innerhalb der EU werden Verbraucher durch ein umfassendes Regelwerk geschützt. Diese Gesetzte greifen allerdings nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen bei Transaktionen mit Firmen außerhalb der EU. Während E-Commerce also durch niedrige Vertriebskosten und eine gute Umweltbilanz punkten kann, setzt es Konsumenten auch neuen Risiken aus. Die Autoren der EU-Studie fordern daher, weitere Verbesserungen der EU-Richtlinien, um den Handel mit illegalen Inhalten und Produkten zu erschweren, und Verbrauchern gleichzeitig einen besseren Zugang zu legalen Internetangeboten zu gewährleisten.
EU-Parlament ehrt Solidarnosc und Simone Veil
Jahrelang waren der Platz und die Promenade vor dem Haupteingang des EU-Parlaments in Brüssel namenlos. Jetzt wird die Promenade nach der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc benannt, die maßgeblich am friedlichen Zusammenbruch des Ostblocks beteiligt war.
Der von der Promenade eingerahmte Platz wird nach Simone Veil, der ersten Präsidentin des direkt gewählten EU-Parlaments, benannt.
Simone Veil: Zeitzeugin, Feministin, Europäerin
Veil wurde 1927 als Tochter einer jüdischen Familie in Nizza, Frankreich, geboren. Mit ihrer Familie wurde sie 1944 von der Gestapo verhaftet und erst nach Auschwitz-Birkenau, und später in die Konzentrationslager Bobrek und Bergen-Belsen verschleppt.
Ihre Eltern und ihr Bruder starben im KZ. Nach dem Krieg kehrte Veil nach Frankreich zu-rück und begann eine steile politische Karriere.
Als französische Gesundheitsministerin stritt sie Anfang der 70er Jahre erfolgreich für die Legalisierung von Abtreibungen. Ende der 70er Jahre wechselte sie in die EU-Politik und wurde 1979 zur ersten weiblichen Präsidentin des EU-Parlaments gewählt.
Als EU-Abgeordnete gehörte sie dem Parlament bis 1993 an. Seit 2008 ist sie Mitglied der renommierten „Académie Française“.
Simone Veil ist noch heute einer der beliebtesten öffentlichen Personen Frankreichs.
Solidarność: Gemeinsam für die Freiheit
Neben Simone Veil wird mit Solidarnosc auch eine Gewerkschaft geehrt. Aus einem Streik der Werftarbeiter in Gdansk entstand Anfang der 80er Jahre Polens erste unabhängige Ge-werkschaft. Als Gegengewicht zum staatlichen Regime gab Solidarność Kritikern eine Stim-me. Innerhalb nur eines Jahres traten rund 9,5 Millionen Polen der neuen Gewerkschaft bei.
Doch auf Druck Moskaus ruderte die polnische Führung zurück, stellte das Land unter Kriegsrecht und verbat Solidarność. Die Gewerkschaft agierte aus dem Untergrund weiter und gilt heute als einer wichtigsten Akteure beim Sturz der kommunistischen Regime des ehema-ligen Ostblocks.
Noch heute inspiriert Solidarność Freiheitskämpfer weltweit, wie etwa derzeit in vielen nord-afrikanischen Staaten. Zu den Teilnehmern der feierlichen Namensgebung am 30. August gehörten unter anderem: Lech Walesa, Nobelpreisträger und erster Vorsitzender von Solidar-ność, Jerzy Buzek, der Präsident des EU-Parlaments Jerzy Buzek, der seit 1980 Mitglied von Solidarność ist, und der Polnische Premierminister Donald Tusk.


